Impuls ·
Warum ich lange nicht gebetet habe
Zum Vers: Römer 8,26
Ich war lange niemand, der betet. Nicht aus Prinzip – es hat sich einfach komisch angefühlt. So, als würde ich laut in einen leeren Raum reden und mir dabei selbst zuhören, wie unsicher ich klinge.
Dazu kam das Gefühl, es falsch zu machen. Ich kannte keine „richtigen” Worte. In meinem Kopf hatte ich das Bild von Menschen, die druckreif und mit geschlossenen Augen frei sprechen – und ich dachte: Das kann ich nicht, also lasse ich es lieber ganz.
Beten ist kein Vortrag
Was sich für mich geändert hat, war eine simple Erkenntnis: Ich hatte Beten mit einer Vorführung verwechselt. Dabei sagt die Bibel ziemlich deutlich das Gegenteil. Jesus warnt sogar ausdrücklich davor, „viele Worte” zu machen, als ob es auf die Menge ankäme. Und die Psalmen – das Gebetbuch der Bibel – sind über weite Strecken keine schönen Sätze, sondern Klage, Wut, Fragen ohne Antwort.
Am meisten hat mir eine Stelle im Römerbrief geholfen: „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt.” Da steht also schwarz auf weiß: Nicht zu wissen, wie man betet, ist kein Ausschlusskriterium. Es ist der Normalfall.
Wie es heute aussieht
Mein Beten ist meistens unspektakulär. Oft ist es ein einziger Satz, im Auto, zwischen zwei Terminen. „Ich weiß gerade nicht weiter.” „Danke für heute.” „Bitte hilf mir, das nicht kaputtzumachen.”
Kein Ritual, keine feste Uhrzeit, keine gefalteten Hände. Einfach das aussprechen, was sowieso schon im Kopf im Kreis läuft – nur eben nicht mehr nur zu mir selbst.
Wenn sich Beten für dich auch komisch anfühlt: Das ist kein Zeichen, dass du es falsch machst. Fang mit einem ehrlichen Satz an. Mehr braucht es nicht.